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chic* by Claudia Bock aus Erfurt

Claudia Bock zeigt mit 3D-gedruckten Modellen für den Gipsformenbau, wie digitale Technik kreative Prozesse im Prozellanhandwerk vielseitiger macht.

Unternehmensgeschichte und -philosophie

chic* by Claudia Bock ist ein Erfurter Atelier für handgefertigtes Porzellan.Begründerin Claudia Bock begann ihre kreative Reise 2006 mit einem Praktikum bei der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH, wo sie ihre Begeisterung für den Werkstoff entdeckte. Es folgte ein Designstudium und ein Job als Designerin in der Porzellanindustrie. Motiviert durch ihre Leidenschaft für Porzellan und Design wagte sie 2024 den Schritt in die Selbstständigkeit. Ihr Atelier ist heute der Ort, an dem sie ihre einzigartigen Porzellanobjekte mit viel Liebe und Hingabe kreiert, aber auch innovative Projekte im Modell- und Formenbau für andere Künstler:innen realisiert. In den Workshops, die sie anbietet, können Interessierte das Gießen von Porzellan erlernen und dabei in die Welt der feinen Keramik eintauchen.

Steckbrief

chic* by Claudia Bock in Zahlen

Gründungsjahr: 2023

Mitarbeitende: 1

Branche: Design

Ort: Erfurt

Digitale Innovation

Der innovative Kern von Claudias Arbeit liegt im 3D-unterstützten Formenbau, der die Herstellung der benötigten Gipsformen für das Schlickerguss-Verfahren zur Herstellung ihrer Porzellankreationen durch digitale Techniken ergänzt.

Beim Schlickerguss wird flüssige Porzellanmasse in eine Gipsform gegossen, die dem Material Wasser entzieht, wodurch sich eine Porzellanschicht an den Formwänden bildet. Nachdem das überschüssige Material abgegossen wurde, wird das Werkstück aus der Form entnommen, getrocknet und schließlich bei 1.280 Grad Celsius gebrannt.

Die Gipsform gibt dem Porzellanobjekt also seine Form. Sie wird normalerweise in Handarbeit hergestellt. Claudia setzt für manche Arbeiten jedoch auch auf digitale Entwürfe und 3D-Druck, die sie bei der Herstellung der Gipsformen unterstützen.

  • Zunächst entwirft sie Formen in einem digitalen Zeichenprogramm und erstellt ein Positivmodell der Objekte.
  • Dann druckt sie diese mit dem 3D-Drucker aus und gießt diese mit Gips ab.
  • Der Gips härtet aus und kann als fertige Gipsform dann wie gewohnt für die Herstellung der Porzellankreationen verwendet werden.

Der erste Anwendungsfall kam mit einem Auftrag für ein Porzellan-Ersatzteil einer alten Lampe, welches nicht mehr hergestellt wird: „Ich hatte den Drucker schon eine Weile, aber dieser Auftrag war der nötige Anstoß, um die Technik endlich einzusetzen“, sagt Claudia. Mit dem 3D-Drucker kann sie auch Logos und Schriftzüge herstellen, mit denen sie ihre Objekte individuell dekoriert oder zusätzliche Hilfsmittel, die ihr die Herstellung ihrer Kunstwerke erleichtern.

Vorteile

Die Vorteile dieses 3D-unterstützten Ansatzes: 

  • Flexibler Form-Ersatz: Sollte eine Gipsform beschädigt werden – besonders bei filigranen Objekten kommt das häufig vor – oder werden mehrere Exemplare benötigt, können schnell und einfach neue Formen mit Hilfe des 3D-gedruckten Modells hergestellt werden.
  • Effiziente Herstellung: Die Reproduzierbarkeit der Formen spart deutlich Zeit im Vergleich zu komplett handgefertigten Formen und Modelleinrichtungen. Zwar ist der Unterschied für ein Einzelstück noch nicht so gravierend, da auch die Erstellung im 3D-Programm Zeit und Tests erfordert, aber sobald die Modelleinrichtung einmal erstellt ist, lassen sich davon beliebig viele Gipsformen abgießen bzw. herstellen. „Gerade exakte Geometrien auf Objekte zu übertragen, dauert in Handarbeit ewig“, erklärt Claudia.
  • Feinste Details: Durch das Angebot an passgenauen Logos, Mustern oder Schriftzügen lässt sich noch besser auf individuelle Kundenwünsche eingehen und einzigartige Designs schaffen.
  • Ist es dann noch Kunst? Für Claudia auf jeden Fall. Die Fähigkeit, Formen in 3D zu entwerfen und zu drucken, hat ihr neue kreative Möglichkeiten eröffnet, um ihre künstlerische Ausdrucksfähigkeit zu erweitern.
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Die Arbeit mit dem 3D-Drucker ist es nicht weniger Kunst - ich sehe es als Inspirationsquelle und als Möglichkeit, schneller an das gewünschte Ergebnis zu kommen.

Claudia Bock

Freischaffende Designerin

Herausforderungen

Der Einstieg in das 3D-Druckverfahren war für Claudia ein Lernprozess: Obwohl sie durch ihr Studium bereits mit entsprechenden Grafikprogrammen gearbeitet hat, musste sie sich selbstständig viel tiefer in das Thema einarbeiten. Für den Einstieg hätte sie sich passende Software-Weiterbildungsmöglichkeiten gewünscht. Zudem kann die Oberflächenstruktur des 3D-Drucks – etwa feine Rillen – Einfluss auf die Gipsform haben, was sich jedoch mit manueller Nachbearbeitung beheben lässt.

Unterstützung durch ThEx Wirtschaft 4.0

Das Thüringer Zentrum für Existenzgründung und Unternehmertum (ThEx) war für Claudia von Anfang an ein wichtiger Partner. Über ThEx Enterprise informierte sie sich zu den relevanten Themen für ihre Selbstständigkeit und erhielt Unterstützung bei der Beantragung des Gründungszuschusses. Im Rahmen des Mentoring-Programms von ThEx Frauensache profitierte sie vom Erfahrungsaustausch mit anderen Gründerinnen, was ihr half, ihr Selbstvertrauen als Unternehmerin zu stärken. Zudem knüpfte sie über die Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft (ThEx Kreativ) wertvolle Kontakte zum kreativen Netzwerk in Thüringen.

Durch die Unterstützung von ThEx Wirtschaft 4.0 konnte Claudia erste Versuche mit dem 3D-Drucker durchführen und erlebte rasch, welche kreativen Möglichkeiten ihr diese Technologie eröffnete. Anschließend erhielt sie gezielte Orientierung bei der Auswahl des für ihre Bedürfnisse passenden 3D-Druckers, entsprechender Druckmaterialien sowie Kontakte und Support zum Thema 3D-Datenerstellung.

Kontakt

chic* by Claudia Bock
Atelier für Porzellan & mehr
Klausenerstr. 1
99099 Erfurt